Eternal Soul präsentiert...

In Berlin ist das Label Eternal Soul ansässig, das sich auf die Veröffentlichung von niedrig limitierten Sammlerstücken auf Vinyl spezialisiert hat. Im Zentrum stehen die kleinen Formate 7" und 10", die jeweils liebevoll aufgeamcht und mit Beigaben (z.B. Postkarten) ausgestattet sind, jüngst sind aber auch bereits CDs erschienen. Stilistisch hat man sich dem Darkambient, Industrial, Military-Pop und Neofolk verschrieben.

aktuell:

Brachial Palsy

the central point of the nine planets

(Eternal Soul 2009) CD limited edition of 5oo copies

In Zeiten von Krautrock hatte Spaceambient einen besonderen Stellenwert. Die Sehnsucht nach unendlichen Weiten lässt sich in trancig-elektronischen Klängen auf vielfältige Weise vermitteln. Und das neue Album der Postindindustrialformation Brachial Palsy (s.u.) setzt sich ganz bewusst in die Soundtradition von Klaus Schulze. Auch die Nähe dieses Konzepts zu einigen Cyclic Law-Veröffentlichungen kommt nicht von Ungefähr, arbeiten Eternal Soul und CL doch seit geraumer Zeit immer wieder zusammen.

Die Titel der Tracks sind programmatisch: "Landing Zone", "Mother Earth", "Heliosphere", "The Central Point Of The Nine Planets" usw. erwecken Phantasien vom Verlassen unserer Sphäre, vom Aufbruch in unvortsellbare Weiten, von zeugenschaft der Geburt neuer Galaxien. Deepspace-Ambient mit pochen Ritualbeats und tragenden Keyboard-Melodien. Lange hat man kein so geradliniges Konzeptalbum zum Thema gehört, das zugleich die Erwartungen erfüllt wie auch faszinierende neue Sounds generiert. Samples aus der Raumfahrt und trancige Rhythmen erinnern von Ferne an das Lustmord-Projekt Arecibo - doch auch das ist viele Jahre her. Dabei liegt der Fokus eher auf zirpenden, hohen Flächen, weniger auf dunklen Drones, die lange zum Klischee dieses Genres gehörten.

Wer mit Biosphere und der spacigen Elektronik der 1970er etwas anfangen kann, wird dieses Konzeptalbum von Brachial Palsy zweifellos begrüßen. Darkambient-Hardlinern könnte es als etwas verspielt und 'retro' erscheinen.

:ms:

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Karjalan Sissit

Fucking Whore Society

(Eternal Soul / Cyclic Law 2009) LP limited edition of 399 copies (normal edition of 300 copies in black vinyl - special edition of 099 copies in grey vinyl, first 10 incl. the whitelabel - all in a gatefold cover with a poster and sticker)

Die Finnen Karjalan Sissit gehören zu den unbequemsten und härtesten Knochen des martialischen Industrial. Obwohl sie nicht so brachial wir ihre Power-Elektronic-Landsleute vorgehen, erinnern die hier entfalteten kulturpessimistischen Bombast-Tracks mit aggressivem Schreigesang durchaus an den Bastardsound des Post-Industrial.

In jedem Fall ist die Musik von Markus Pesonen voller Wut: Wut auf die Abgründe der skandinavischen Gesellschaft, die auf dem fünften Tonträger schlicht als "Fucking Whore Society" diffamiert wird. In durchweg finnischen Samples kommen Vertreter der Degeneration zu Wort, manchmal hörspielartig, manchmal, als gelte es antiphiosophische Statements zu liefern.

Die Musik entwickelt immer wieder einen harten, militärischen Bombast, der jedoch nicht - wie auf den ersten Alben - rückwärtsgewandt ist, sondern vielmehr einen Blick auf die krisenerschütterte Gegenwart wirft - wie die betont unästehtischen Coverbilder bereits belegen. Armut, Alkoholismus und Frustration sind die Eckpfeiler, schleifende und scharrende Ambientsounds, verhallte Drones und schwere Militärdrums die Stilmittel.

Mit ihrem fünften Werk ist Karjalan Sissit ein hervorragendes Genrewerk gelungen, unverwechselbar in der finnischen Herkunft, gezeichnet von der Wirtschaftskrise und zugleich eine effektive Katharsis für den geniegten Hörer. Postindustrial Apokalypse vom Feinsten.

MaNic

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Triarii

Muse in Arms

(Eternal Soul 2008) CD 11 Tracks

Neben Arditi und Toroidh kann das Berliner Einmann-Projekt Triarii als Vorreiter des monumentalen historical ambient gelten. Über zwei Alben hat man sich kontinuierlich gesteigert und eine eindrucksvolle Klangwelt kreiert, die mit orchestralen Passagen, schweren Beats und martialischen Vocals die Welt im Krieg beschwört. Das war bislang deutlich ambivalent gehalten, weniger grenzwertig in den Samples als Arditi, die immer wieder auf den ariozentrischen Pathos des 2. Weltkrieges abzielen ("Religion of the Blood").

"Muse in Arms" jedoch geht einen deutlichen Schritt weiter als die Vorgängerwerke - weg vom Assoziativen, hin zum historisch Konkreten. Schon vom Cover blickt stumpf der steinerne Reichsadler, gerahmt von einem silbrigen 'Ärmelband'. In zweifellos provokativer Absicht findet sich in den Linernotes eine Absage an die einseitige politische Auslegung von Kunst. Es gibt nicht nur rechte und linke Kunst, zweifellos. Aber man kann die Grenzen auch mutwillig verwischen... Der französische Titel von Track IV ("Die Extreme berühren sich") nimmt zweifellos darauf Bezug.

Doch was ist nun "Muse in Arms"? Ein Soundtrack zum Untergang (neinnein, nicht unbedingt DEM "Untergang"), konstruiert mit kraftvollen Orchesterloops. Ein musikalischer Essay über den Sonnenkult - zahlreiche Titel nehmen darauf Bezug, ganz explizit auch der Text von Track III ("Europa") mit "Swastikas rising"... Eine musikalische Militaria-Sammlung - schon das erste Album hieß ja "Ars Militaria". Von den befreundeten Mitstreitern von Ordo Rosario Equilibrium und In Slaughter Natives lernte man den souveränen Umgang mit harschen Sounds und apokalyptischem Pathos, von The Protagonist übernahm man die große, klassische Geste. Doch es bleibt dieser stumpfe, steinerne Blick, in eine Ferne gerichtet, nichts Gutes verheißend. "Wir kommen wieder", wie es Track XI verheißt... Zweifellos.

"Muse in Arms" ist für das sehr enge Genre der martialischen Neoklassik durchaus überzeugend arrangiert, meist spannend und unterhaltsam, manchmal ambivalent, aber oft eben stoisch und auf ungesunde Weise militärisch. Wird nicht jeder zum Frühstück hören. Aber vielleicht nach einem frustrierenden Tag im Büro...

MaNic

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Phelios

Dimension Zero

(Eternal Soul 2008) 2CD 18 Tracks (limited edition of 500 copies)

Bereits mit der ersten Veröffentlichung hat sich Phelios einen guten Ruf in der Darkambientszene erarbeitet. Und nach einem Übergangswerk auf CD-R liegt nun endlich das Nachfolgealbum vor: "Dimension Zero". Klangtechnisch wurden die ohnehin melodiösen und sphärischen Flächen perfektioniert und vor allem gelegentlich mit schweren Beatstrukturen angreichert, die zweifellos an den etablierten Meistern des Genres orientiert sind (Lustmord, aber auch Herbst9), ohne die Eigenständigkeit preis zu geben.

Das monochrome Artwork mit bläulichen Akzenten ergänzt den surrealen und visionären Charakter der Klangwelten, die sich langsam aber dramatisch entfalten. "Entering Vortex", "Time Tunnel", "Graviton Passage" - die Titel zeugen bereits von einer psychedelischen Reise in unbekannt Gefilde des Unterbewusstseins. Wir bewegen uns entlang den Songlines einer europäischen Traumzeit. Dabei wirkt der Sound nie kalt, sondern umfängt den Hörer mit einer Fülle und Fabulierfreude, die man selten im Genre findet.

Die zweite CD glänzt dann durch Remixe des gegebenen Materials, die von befreundeten und artverwandten Projekten passend umgesetzt wurden: False Mirror, Kammarheit (Cyclic Law), Brachial Palsy (s.u.) und Tardive Dyskenisia. So bekommt man ein ungewohntes Deep Listening ermöglicht, das bislang verborgene Aspekte der bekannten Stücke herausarbeitet.

Insgesamt ist Pehlios ein hervorragendes Nachfolgealbum gelungen, das den Vorgänger qualitativ überrundet ohne den etablierten Stil vor verraten. Eines der erfreulichsten Darkambientalben der letzten Zeit.

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Brachial Palsy

Control and Paralysis

(Eternal Soul 2007) CD 12 Tracks

Nachdem längere Zeit nichts von dem Berliner Qualitätslabel Eternal Soul zu vernehmen war, tauchte unverhofft eine neue Darkambient/Death-Industrial-CD auf, die für die Zeit des Wartens entschädigt: Brachial Palsy, benannt nach einer Nervenkrankheit, die vor allem bei Säuglingen auftritt, präsentiert sich dezent in der Ästhetik medizinischer Anatomiezeichnungen. Das befremdet etwas und entfernt sich durchaus von der nostalgisch-reduzierten Gestaltung bisheriger Eternal Soul-Tonträger.

Doch was zählt, ist letztlich die Musik: Und gleich der fragil-melodiöse Drone-Opener (Zone) hat es in sich und kann eine hypnotische Atmosphäre verbreiten. Raison d'être fallen einem dazu ein... Track 2 (DokumentN) dagegen schlägt leicht noisige Bahnen ein und verweist mit seinen leicht modfizierten Minimalrhythmen auf Old-School-Industrial - aber auch hier bleibt ein eingängiges Element bestehen. 'Accidental Error' führt erstmals ein Gesangssample ein, das offenbar der schamanischen Ethnofolklore entstammt. Spätestens bei 'Insanity', das dann mit spacigen Elementen einsetzt, blubbernde Rhythmen und Sprachsamples kombiniert, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, man hat es hier weniger mit einem konzeptionell durchgestalteten Album, als mit einer Zusammenstellung von Tracks der letzten Jahre zu tun. Doch dieser Eindruck mag an der Fehlbarkeit des Rezensenten liegen. Überzeugend ist letztlich auch dieser Track. Mit 'Nerv' sehen wir uns einem Wall of Noise ausgeliefert, 'PleXus' taucht in die Tiefe der Drones zurück. 'Circular Psichosis' arbeitet an einer verfremdeten Melodie, 'Epiphyse' erinnert mit saugenden Sounds fast an Schloß Tegal.

'Palsy' bringt dann den apokalyptischen Gesamteindruck wieder auf den Punkt, der letztlich alle Tracks des Albums verbindet. 'StrumA' schmuggelt pulsietrende Strukturen unter die evolvierenden Drones, was eine enorme Spannung aufbaut, die in dem erneut poppig anmutenden 'Parese' aufgelöst wird und in die flirrende Drones von 'Enzym' mündet. Es bleibt ein Schweben, Reste einer tiefgreifenden Verunsicherung.

Brachial Palsy mag mit 'Control and Paralysis' kein Album aus einem Guss gelungen sein, doch die Summe der Fragmente erscheint noch immer eindrucksvoll und ist für Fans dunkler Ambientmusik in jedem Fall eine Anschaffung wert.

:ms:

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Karjalan Sissit

Tanssit On Loppu Nyt

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(Eternal Soul 2006) LP gatefold, poster 10 Tracks, 37 Min.

Das schwedisch/finnische Einmann-Projekt Karjalan Sissit ist als der zutiefst persönliche und emotionale musikalische Ausdruck des Musikers Markus Pesonen gedacht, der mit Hilfe des Neoklassik-Bombast-Masterminds Peter Bjärgö nun bereits auf dem 4. Tonträger seiner misantropen Weltsicht Klangform verleiht. Zum 2. Mal erscheint auch die sorgfältig gestaltete LP-Version auf dem Berliner Label Eternal Soul, während die CD bei Cyclic Law angekündigt ist.

Stilistisch bewegt man sich mehr als auf den vorangehenden CDs zwischen neoklassischem Darkambient und bombastisch-brutalem Military-Industrial, wobei die finnischen Schreigesänge durchaus Erinnerungen an Power-Electronic-Bands wie Genocide Organ wecken. Die Grenzen zwischen affirmativem Militarypop und der rhythmischen Industrialgangart verschmelzen zusehends. Bereits Sophia hatten solche Tendenzen, und bei der aktuellen Folkstorm-CD finden sie sich ausgeprägt. Den Hörer erwartet also ein Wechselbad zwischen düster-atmosphärischen Klanglandschaften und nahezu hysterischen Ausbrüchen, zwischen Depression und Hass, wobei gerade die fremdartigen Vocals eine eigene Qualität gewinnen. Die gesamte LP erschöpft sich streckenweise etwas in diesem Konzept, doch auf voller Lautstärke kann man sich diesem Konzept kaum entziehen...

Für Sammler dieser Musikrichtung ist die vorliegende LP zweifellos ein Traum: ein schönes, düsteres Gatefold-Cover mit (leider kyptischen) Linernotes, grobkörnige Schwarzweißfotos aus einem deprimierenden nordischen Alltag, anbei auch das aggressive Covermotiv als Poster. Das alles ist limitiert auf 399 Exemplare. Track A3 findet sich nur auf dem Vinyl, bei der kurzen Laufzeit von 37 Minuten ist allerdings zu erwarten, dass die spätere CD hoffentlich mit Bonusmaterial aufwarten wird. Für Fans sehr reizvoll und ein weiterer Höhepunkt im Programm des Eternal-Soul-Labels.

:ms:

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TRIARII

Pièce Héroique

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(ES 2006) CD, 12 Tracks

„Der Krieg ist es, der die Menschen und ihre Zeit zu dem machte, was sie sind.“ Ernst Jünger

Der Krieg hat längst die Schutzbunker des Pop erreicht. Jener Bunker, den bereits Laibach mit ihrem martialischen Auftreten attackierten, dem Pop den Spiegel vorhielten und seine totalitären Strukturen offenbarten. Die Geburtsstunde des Military Pop und der Beginn eines politischen Missverständnisses. TRIARII indes fehlt dieser Spiegel, sie sind ein heroischer Abgesang ohne moralische Wertung, eine Befindlichkeit, die trotz des Rückgriffs auf vergangene Zeiten eine stechende Aktualität besitzt, ein Einschwören auf das letzte Gefecht, auf das Ende der Welt, war to end all war.

TRIARII bemühen sich aber nicht, eine Distanz zu schaffen, sie bleiben reine Verführung, was sie einerseits unreflektiert, andererseits authentisch und intensiv macht: In ihrem überhöhten Hymnus auf die eigene Destruktionskraft wirken TRIARII rauschhaft. Erst am Ende zeigt sich der Fatalismus: Die Kriegsmaschine verschluckt den Hero, die Kriegsgeräusche übertönen die Musik. Ideologie spielt hier keine Rolle mehr, ganz im Jünger’schen Sinne ist der Krieg für TRIARII eine eigene Metaphysik, ein Prinzip ohne rechten Herrn. Musikalisch hat man dabei eine Ebene erreicht, die längst nicht mehr im Schatten der etablierten Formationen steht. Der Bombast von The Protagonist hat seine Spuren auf „Pièce Héroique“ hinterlassen, ebenso wie Produzent Jouni Havoukainen von In Slaughter Natives durchaus einen Einfluss ausgeübt hat. Dennoch haben TRIARII zu einem ganz eigenen Sound gefunden, was auf dem eklektizistischen Debüt „Ars Militaria“ noch nicht zu spüren war. Besonders die drei Stücke mit Gesang, „On Wings of Steel“, „Heaven & Hell“ und „Roses 4 Rome“ (unter anderem mit Tomas Petterson von Ordo Rosarius Equilibrio) zeigen eindrucksvoll, wie durch Verkürzung ein prunkvoller und eingängiger Sound erreicht wird.

TRIARII sind eine diskussionswürdige Formation, deren musikalische Leistungen allerdings selbst den Veteranen des Genres eine Lektion erteilen dürfte.

Martin Kreischer

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Phelios

Images and Spheres

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(ESCD04 2006) CD 7 Tracks (66 min)

Cold Ambient - der kalte Klang des Nordens, durchweht von einem eisigen Wind, bedeckt von bleigrauen Wolken. Quasi aus dem Nirgendwo kommt ein neues Musikprojekt, das sich ganz der Kreation solcher Klanglandschaften verschrieben hat: Phelios produzieren Soundtracks für düstere Ruinenfelder, wie sie das Cover zeigt. Hier hat der Untergang vor langer Zeit stattgefunden, von Ferne klingen allenfalls die Echos der Vergangenheit.

In über 60 Minuten Spielzeit entfalten Phelios lang ausklingende, dichte Miniaturen, die sich mit Titeln von kosmischer Dimension schmücken: "Before the creation" , "Through the mirror", " You cannot see the dragons eyes", "The funeral of the wizard", "Sleeping sphere", "Isle of the dead" und "There is no light without you". Sicherlich ist hier ein deutlicher Einfluss von Fantasy- und Rollenspielwelten spürbar, doch letztlich funktioniert dieses ästhtisch ansprechend gestaltete Album als offene Projektionsfläche für transzendente Reflexionen.

Anschwellende Drones, fast symphonische Flächen, dezent-rituelle Ryhtmen und hallende Sounds mögen an Raison d'être und die Bands des Cyclic Law-Labels erinnern, erschaffen jedoch eine ganz eigene Sphäre. Wahre New-Age-Hymnen für das Graue Zeitalter... Ein überzeugendes Debüt.

cd

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Axon Neuron/Vagwa

:Documents 1995-2005:

(Eternal Soul2005) DCD 25 Tracks

Nach längerer Ankündigung liegt nun die umfassende Werkschau des Darkambient/Ritualprojekts Axon Neuron/Vagwa von Enrico Eisert auf zwei CDs vor. Gegründet als Thorn, durchlief die Formation unterschiedliche Inkarnationen - dokumentiert auf zahlreichen Cassetten und CD-rs, bis sie mit der 10" "Lohe" (s.u.) ihr offizielles Debüt herausgab.

Ursprünglich bediente man sich eher synthetischer und sogar industriell-noisiger Klänge, die auf der zweiten CD der "Documents" zu hören sind. Hier kommen auch deutliche Hommagen an die Größen der Schwarzen Musikszene zum Tragen: etwa in der Verwendung des PRISONER-Samples von Death in Junes "93 Dead Sunwheels" oder der Stimme von Feya Aswynn.

Erheblich eingängiger und amosphärischer ist die Zusammenstellung der ersten CD ausgefallen, wo dronige Flächen, verhallte und verfremdete Stimmen, Militärdrums und sakrale Klänge zu einem homogenen Ganzen zusammenfließen. Die CD wurde unterstützt und gemastert von Kirlian Camera, was man deutlich an den unkaschierten Synth-Sounds hören kann. Die Tracks "Aurora" und "U-Bahn V.2" entstanden in direktem Bezug zu den befreundeten Vorbildern. Insofern ist diesen Aufnahmen eine distanzierte Kälte eigen, die einen ganz eigenen Klangraum schafft - fern den Klischees sonstiger Darkambient-Projekte. Die vorhandenen Live-Aufnahmen sind qualitativ von den Studiotracks nicht zu unterscheiden.

Die ästhetische Gestaltung der CD im Jewelcase mit 8-seitigem Booklet ist entsprechend minimalistisch und kryptisch: mit grobkörnigen Schwarzweißmotiven und klassizistischen Lettern. "Documents" ist über weite Strecken eine faszinierende, abwechslungsreiche Reise in die Abgründe menschlicher Geschichte.

:ms:

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Triarii

Ars militaria

(Eternal Soul 2005) CD 12 Tracks

Nach der wohlwollend rezipierten und technisch überzeugenden 7" "Triumph" legt das Berliner Einmann-Projekt Triarii nun eine umfassende Sammlung neoklassischer Toncollagen und Klangskulpturen vor, die wie die beiden Stücke der vorangehenden Single vor Pathos sprühen.

Die stilsichere Gestaltung des Artworks und die Titel verweisen erneut zurück in die tragische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die eine Lesart als eine "Geschichte von Kriegen" umso überzeugender erscheinen lässt. Insofern ist die militaristische Atmosphäre dieser CD durchaus nachvollziehbar. Dabei werden die Sprachsamples noch vergleichsweise dezent eingebracht - schwere Streicher, Snaredrum-Passagen und bedrohliche Momente sprechen meist für sich. In dieser orchestralen Eindringlichkeit überrollt Triarii die Grenzen des Military-Pop-Genres hin zur Neoklassik und letztlich zum imaginären Filmsoundtrack. Triarii steht als Newcomer zweifellos neben Karjalan Sissit, Predella Avant, Sophia und anderen.

Ein kleiner Punkt der Kritik ist der ungebrochene Bombast, der fast alle Stück durchzieht, während z.B. Toroidh immer wieder auf lange Darkambient-Zwischenspiele bauen, was den Pathos anderer Stücke etwas unterläuft. Doch für Fans des Genres ist diese CD von Triarii eine klare Empfehlung. MaNic

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Dawn and Dusk Entwinded

The Hikimori Songs

(Eternal Soul 2005) 10" 6 Tracks

Vor allem durch die Fulltime-CD "Remergence" auf Athanor hat sich das französische Projekt Dawn & Dusk Entwined fest im Kanon atmosphärischer Ritual/Darkambient/Military-Bands etabliert. Die hier vorliegende ansprechend designte 10"-Scheibe, deren Cover ein Foto aus Fritz Lang Film METROPOLIS ziert, bietet 5 neue Stücke, auf denen sich der erarbeitete Stil fortsetzt: Klanglandschaften mit geheimnisvollen Melodiefragmenten, inspirierenden Geräuschen und einem düsteren Rezitativ.

Track A3 "The Middle Children of History" ist offenbar Graeme Revell gewidmet, während B1 "Gloria Mundi" dem Filmemacher und Soundtrackkomponisten John Carpenter zugeeignet wurde, der von vielen Ambient/Indsutrialmusikern als wichtiger Einfluss zitiert wird.

"The Hikimori Songs" ist ein Schmuckstück für Industrial-Sammler, eine spannende Mini-LP von finsterer Schönheit. cd

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Toroidh

Offensiv!

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Der über zwei Meter große schwedische Musiker Hendrik Björk, auch bekannt als Nordvargr, hat sich in den letzten Jahren mit einem ganzen Netzwerk musikalischer Projekte Gehör verschafft und einen fast schon personenorientierten Kultstatus erarbeitet. Zu seinen Aktionsbereichen gehören Maschinenzimmer 412, Folkstorm, Hydra Head 9, Soloprojekte sowie das auch auf dieser CD vertretene Historical-Ambient-Projekt Toroidh. Eigentlich sollte die Gruppe mit dem Erscheinen der Trilogie "Those who do not remember the Past are condemned to repeat it", "Europe is Dead" und "Testament" abgeschlossen sein, doch auf diversen Labels waren auch einige Vinylsingles erschienen, die hier noch einmal auf einer CD vereinigt wurden und endlich einer größeren Hörerschaft zugänglich sind.

Thema der Toroidh-CDs ist die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts, speziell die Auswirkung der beiden Weltkriege auf die Nachkriegszeit. Eine apokalyptisch-kulturpessimistische Perspektive zeichnet sich bereits in den Titeln ab, ohne dass die Tonträger in platte Agitation verfallen. Allen Stücken ist ein tiefer Riss zueigen, der das Hörerlebnis stets zum Ambivalenzerlebnis macht, obwohl zahlreiche der Soundquellen aus durchaus zwiespältigen Kontexten (Filmen, Dokumentationen, Schellackplatten) stammen. Stilistisch weicht Toroidh stark von Björks noisiger Industrialmusik ab und bedient sich der gesamten Pallette von Ambient, Ritual, Folk über Collagen bis hin zur Marschmusik. Track 1 verbindet historische Aufnahmen mit melancholischen Flächen und einem Hinrichtungsmarsch zu dem pessimistischen "The Return of Yesterday", einer Collage, die zuvor auf 10" vorlag. Die Komplexität dieser sehr an der "Neuen Musik"orientierten Komposition erfordert einen aufmerksamen und offenen Zuhörer. Vor allem Fans der frühen Laibach-Aufnahmen dürften hier begeistert sein.

Die verschiedenen hier präsenten Veröffentlichungen sind durch jeweils einen kurzen stummen Track getrennt. Track 2 und 3 entstammen einer 7", die Premixe von Stücken enthält, die auch von CD 2 und 3 bekannt sind. Dabei ist auch ein mitreißender Uptempo-Akustikgitarrentrack. 6 und 7 waren einst auf Eternal Soul selbst erschienen, 9 bis 12 waren als Doppelsingle auf Neuropa herausgekommen und die letzten beiden Stücke sind den letzten Aufnahmen entnommen und bislang unveröffentlicht. Erstaunlich ist auf allen Tracks, wie souverän Björk mit den genannten Stilen umgeht, sich nie in ausgetretenen Pfaden verliert und ständig nach neuen Ausdrucksformen sucht.

Obwohl die CD mit Strukturkarton-Inlay und monchromem Druck sehr gut gestaltet ist, enttäuschen etwas die stereotyp-militaristische Gestaltung und auch der platte Titel ("Offensiv!"), die den Tonträger als Trendprodukt erscheinen lassen, was er inhaltlich auf keinen Fall ist. Da es sich hier wohl tatsächlich um die letzte Veröffentlichung von Toroidh handelt (man kann bei Björk allerdings nie sicher sein), hat man zumindest die Chance einer spannenden Werkschau, und die ist sicher eine Beschäftigung wert. MaNic

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Geneviève Pasquier

Pulse

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(Disorder Records / ES 2004) 7"

Geneviève Pasquier, ihres Zeichens Ms. Thorofon und zugleich eine der wenigen in der deutschen Industrialszene aktiven Frauen, bietet auf dieser im 80er Retrostyle designten 7"-Scheibe drei durchaus unterschiedliche Stücke elektronisch-postindustrieller Musik - zwei Lieder und ein atmopshärisches Instrumental, die angenehme Erinnerungen wecken an November Növelet und Hanin Elias, zwei weitere Raubkatzen der harschen und doch erotischen Elektronik. Fatale Coolness in der Stimme, subtile Texte voller Abgründe und hypnotische Downtemporhythmen werden sogar auf der Tanzfläche begeistern, ohne in banale Popgefilde abzugleiten. Es bleibt der Wunsch nach mehr - einem Longplayer... MaNic

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Galerie Schallschutz

Teddybear (Eternal Soul 2003) MCD

Nach dem überragenden Debüt "HAARP" auf Tesco legt das deutsche Darkambientprojekt G.S. nun eine qualitativ vergleichbare und ebenso fesselnde 10" Schallplatte nach. "Teddybear" schließt an die Verschwörungsthematik des Vorgängers an und ist der Codename der militärischen Anlage unter dem Berliner Flughafen Tempelhof, von der aus Störfrequenzen ausgestrahlt werden ('humming sound'). Diese Frequenzen werden von den USA u.a. als 'humane Waffen' erprobt und sind gesundheitsschädlich - so die Linernotes. G.S. verarbeiten Fieldrecordings (Düsenjäger, den 'humming sound' etc.) und eigene Flächen zu grollenden und komplexen Collagen, die das geneigte Publikum begeistern dürften. cd

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Axon Neuron / Vagwa

Lohe

(Eternal Soul 2004) 10"

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Es ist schon erstaunlich, welch eminenten Einfluss im Nachhinein ein Historical-Ambient-Projekt wie Joyaux de la Princesse hat. Auch der hier vorliegende Tonträger schließt mit elegischen Preset-Sounds (String, Chorus, Organ) und historischen Radiosamples an den Versuch an, mittels atmosphärischer Collagen die finsteren Tiefen der Geschichte zu ergründen. "Lohe" präsentiert vier sich langsam entwickelnde Tracks, in denen offenbar die Identität des 'Neuen Europa' nach dem zweiten Weltkrieg hinterfragt wird. Das beginnt sehr ambient und wird dann zunehmend martialisch, mit schweren, langsamen Beats gegen Ende. Wer sich für musikalische Zeitreisen begeistert, wird hier zufrieden sein. Anderen könnte das Werk etwas zu minimalistisch ausfallen. - Das recht junge Berliner Label Eternal Soul bringt "Lohe" als 10" Vinyl mit Postkarte und Insert heraus (lim.300) bzw. als streng limitierte (49) Clear Vinyl 10" plus 3"-CDr mit Spezialverpackung und Poster. cd

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Triarii

Triumph

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(ES 2004) 7" mit Postkarte

In den letzten beiden Jahren hat sich ein Musikstil als eigenes Genre etabliert, den man zwischen den Historical Ambient-Werken von Joyeaux de la Princesse und Land sowie dem Military-Pop von Dernier Volonté einordnen könnte: Thoroid, Predella Avant, Sophia und Arditi, also vornhemlich skandinavische Projekte, trugen maßgeblich dazu bei. Dominierend in diesem Sound sind schwere Trommeln, Fanfaren, schicksalschwere Streicherakzente, militärische Snaredrums und natürlich historische Samples und Geräusche. Ziel ist es meist, einer längst vergangenen Epoche und ihren (meist destruktiven) Energien Ausdruck zu verliehen. So schwankt diese Musik zwischen Euphorie und Zermürbung, mit der Option auf kathartische Wirkung... Die beiden programmatisch betitelten Stücke "Triumph to Triumph" und "Military Order" der vorliegenden Single von Triarii fügen sich perfekt in dieses Modell: Auf der einen Seite monoton-ryhthmische Atmosphäre, majestätisch und düster, auf der anderen eine eingängige Collage, die sich ausgiebiger Sprachsamples bedient. Dazu eine monochrom-bräunliche Covergestaltung mit postindustrieller Fotografie. Im Rahmen der Erwartungen ist diese Single absolut gelungen und wird den Fans des Genres gefallen. Wer jedoch nach neuen Sounds und originellen Themen sucht, wird hier eher enttäuscht. Aber das ist wohl auch kaum der Anspruch... cd