Jahrtal

Liederbuch

(Ahnstern 2008) CD 12 Tracks

In Deutschland ist der Begriff des Liedermachers fast schon ein Schimpfwort, ein Stigma. Es ist eng verbunden mit piefiger Heimatidylle, oder schlimmer noch mit sozialkritischem 68er-Kitsch und Schlagerradio-Airplay.

Nimmt man das britische Wort Songwriter hingegen, wird schnell klar, welche Unterschiede in der Haltung und der Bewertung der beiden, eigentlich fast synonym zu gebrauchenden, Begriffe stecken. Denn der Songwriter ist geachtet, er bewahrt und konserviert auf seine eigentümliche Art alte Weisen und Traditionals. Vielleicht liegt es an der Besetzung des Begriffs durch linke Kreise, die im Liedermacher vor allem den sozialkritischen Gestus sehen wollen – inzwischen selbst ein Anachronismus. Dennoch passt eben jener vorbelastete Begriff Liedermacher zu Jahrtal: Sänger und Gitarrist Ewald sucht sich zumeist alte Volkslieder, vornehmlich aus dem alpinen Raum, um diese zu intonieren. Aber auch Gedichte von Eichendorff oder traditionelles Liedgut aus Schottland und Tibet finden Verwendung. Grundgerüst sind leise gezupfte Gitarren, dazu gesellen sich ein etwas schwacher, aber authentischer Gesang, stellenweise auch Streicher und eine weibliche Stimme.

Lichtbuch von Jahrtal ist ein uriges Werk mit einem ganz eigenen Charme – vielleicht schaffen es solche Alben irgendwann, die schreckliche Patina des Sozialkitschs vom Begriff „Liedermacher“ zu lösen.

Martin Kreischer (10.10.2008)