Marissa Nadler

Little Hells

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(Kemado Records) CD, 10 Tracks

Die kleine Mayflower May wird erwachsen. War Marissa Nadler bisher ein Geheimtipp, eine gehauchte Empfehlung unter Liebhabern des melancholischen Amerikana Folk, so reißen sich plötzlich sogar die Feuilletons deutscher Zeitungen um die zarten Balladen der amerikanischen Liedermacherin. „Little Hells“, das neue Album, zeigt die Dame mit der Gitarre tatsächlich auf dem vorläufigen Zenith ihres Schaffens: Die Pausbäckchen der vorherigen drei Alben sind nicht mehr vorhanden, die schwermütigen, feingliedrigen Songs sind nicht mehr jugendlicher Weltschmerz sondern universelle Melancholie voller sehnsüchtiger Rückblicke in eine Welt der Schatten und verhuschten Begegnungen, in eine gewesene Vergangenheit und dem, was hätte sein können, aber nie war. Das Mystische von Woven Hand, die Einsamkeit von Songs:Ohia, die Fragilität von Espers vereinen sich unter weiblicher Ägide auf „Little Hells“, eingehüllt in zarte Spitze gewoben aus Wehmut. „Only Ghosts and Lovers, they will haunt you, for a while“ – dieses schmerzhafte, verzauberte Album wird allerdings weit länger das leere Zimmer mit seiner Präsenz füllen.

Martin Kreischer